BAUCHFETT - URSACHEN + TIPPS
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Während das vielbesagte "Hüftgold" sowie Fetteinlagerungen an den Extremitäten (typisch weiblicher Fettverteilungstyp) bis zu einem gewissen Grad ungefährlich sind, stellt das Bauchfett (auch Viszeralfett genannt) sogar bei ansonsten schlankem Körperbau ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.
Dies lässt sich durch die vermehrte Produktion von Fettgewebshormonen und Entzündungsfaktoren erklären, die vor allem aus dem Bauchfett und weit weniger aus anderen Fettgeweben freigesetzt werden. Vereinen sich jedoch Übergewicht und übermässiges Bauchfett, so ist die Gefahr von Folgeerkrankungen am höchsten.
Das Bauchfett bildet sich zuerst um die Bauchorgane herum. Als sogenanntes intraabdominales Fett umkleidet es den Darm und andere Organe des Verdauungssystems und kann zunächst unerkannt bleiben. Erst bei zunehmender Fetteinlagerung schwillt der Bauch sichtbar an. Doch ganz gleich, ob man das Bauchfett sieht oder nicht, auf die Gesundheit kann es sich in beiden Fällen negativ auswirken.
Warum es bei manchen Menschen vor allem zu Fetteinlagerungen am Bauch kommt und bei anderen wiederum nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Bierbauchtheorie ist jedenfalls noch umstritten.
Phytohormone (hormonartig wirkende Pflanzenstoffe), die sich im Hopfen und damit auch im Bier befinden, haben zwar eine östrogenähnliche Wirkung und könnten daher bei übermässigem Biergenuss auch – wie es für Östrogene typisch ist – ein Übergewicht begünstigen. Allerdings ist fraglich, ob Östrogene einen massgeblichen Einfluss auf den Ort der Fetteinlagerung haben.
Unbestritten ist jedenfalls, dass eine positive Energiebilanz (dem Körper wird mehr Energie zugeführt, als er verbraucht) zu Übergewicht führt, woran der Alkoholgehalt des abendlichen Bieres natürlich nicht gerade unbeteiligt ist.
Doch auch bei positiver Energiebilanz kommt es nicht zwingend zu einem übermässig dicken Bauch, sondern bei manchen Menschen eher zur Fetteinlagerung an Po, Oberschenkel und Hüften.
Interessanterweise hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem eine sehr kohlenhydratreiche Kost bei gleichzeitig mangelnder Zufuhr von essentiellen Aminosäuren offenbar zu vermehrtem Bauchfett führen kann.
Zudem können – wie bereits weiter oben angedeutet – erhöhte Cortisol-Werte eine Anlagerung von Fettgewebe am Bauch begünstigen. Für erhöhte Cortisol-Werte kann es nun wiederum verschiedene Gründe geben: Dazu gehört insbesondere der Bewegungsmangel, aber auch chronischer Stress, eine krankhafte Überproduktion sowie natürlich auch eine Cortisontherapie aufgrund entzündlicher Erkrankungen.
Was aber bewirkt nun das Bauchfett im Körper? Wie beeinflusst es unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden?
Eine besonders ungünstige Eigenschaft von Bauchfett ist dessen hormonelle Aktivität. So wurden bislang mehr als 20 Hormone und verschiedene andere Substanzen gefunden, die vom Körperfett ins Blut abgegeben werden.
Genau diese Hormone aber sind es, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefässleiden, Diabetes mellitus Typ 2 und einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen in Verbindung gebracht warden.
Zwei der vom Fettgewebe ausgeschütteten Hormone heissen Leptin und Adiponektin. Sie regulieren das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme.
Je mehr Fett wir ansammeln, desto mehr Leptin produzieren wir. Hohe Leptinwerte signalisieren unserem Gehirn, dass wir satt sind und momentan keine Nahrung benötigen. Niedrige Leptinwerte führen uns unverzüglich zum Kühlschrank oder zum nächsten Schnellrestaurant.
Übergewichtige nun produzieren verständlicherweise viel Leptin und sollten deshalb eigentlich kaum unter Hunger leiden. Allerdings machen die Nervenzellen im Gehirn, die als Rezeptoren für Leptin dienen, irgendwann schlapp und es kommt zur Leptin-Resistenz.
Durch das ständige Überangebot von Leptin im Blut, wird der Körper also unempfindlich gegenüber dessen appetithemmender Wirkung. Mehr noch, die durch Übergewicht erworbene Leptin-Resistenz führt zu einem ungebremsten Hungergefühl und sorgt dafür, dass das Bauchfett immer mehr und der Bauch immer dicker wird.
Aufgrund dieser Resistenz ist eine Behandlung mit dem Hormon Leptin übrigens sinnlos. Die Hoffnungen, mit Leptin-Präparaten Fettleibigkeit medikamentös behandeln zu können, haben sich inzwischen zerschlagen.
Das Gewebshormon Adiponektin wird bei vollen Fettzellen vermindert produziert und so finden sich bei Übergewichtigen reduzierte Blut-Spiegel dieses Botenstoffes.
Sobald aber der Adiponektin-Spiegel niedrig ist, führt dieser Zustand zu einer abgeschwächten Wirkung des Insulins, was man als Insulin-Resistenz bezeichnet.
nsulin soll eigentlich den Blutzuckerspiegel senken. Wirkt das Insulin jetzt aufgrund geringer Adiponektinwerte nur noch schwach, dann steigt verständlicherweise der Blutzuckerspiegel und mit ihm das Risiko für Diabetes.
Inzwischen konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden, dass die vom Bauchfett ausgesandten Botenstoffe die Insulin-Rezeptoren der Körperzellen unempfindlicher Machen.
Wenn die Rezeptoren der Zellen nun unempfindlich gegenüber Insulin geworden sind, kann Glukose (Blutzucker) nicht in die Zellen gelangen. Halten die auslösenden Faktoren für die Insulin-Resistenz, wie beispielweise die Ausschüttung der oben genannten Botenstoffe aus dem Bauchfett an, so entsteht ein Teufelskreis aus Insulinresistenz – erhöhtem Blutzucker – und vermehrter Insulin-Ausschüttung.
Irgendwann machen dann die insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse schlapp und
Es entsteht ein chronischer Diabetes mellitus Typ II, der nun eine medikamentöse Insulin-Gabe verlangt.
Da das Insulin ausserdem den Fettstoffwechsel beeinflusst, kommt es jetzt zusätzlich gerne zu steigenden Cholesterin- und Triglyceridspiegeln sowie zu einer Fettleber.
Die Kombination Übergewicht, hohe Blutzuckerspiegel und steigende Blutfettwerte hat meist schon die nächsten Beschwerden im Gefolge, nämlich Bluthochdruck und Arteriosklerose. Gerade die Entstehung der Arteriosklerose kann vom Bauchfett ganz besonders stark gefördert werden.
Medizinische Studien haben gezeigt, dass Übergewicht und insbesondere abdominales Übergewicht, also Bauchfett,
das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen kann, besonders die arteriosklerose.
Dazu schüttet das Bauchfettgewebe bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Man nennt sie Zytokine.
Zu den Zytokinen gehören der Tumornekrosefaktor (TNF) und das Interleukin-6. Kursieren diese Botenstoffe jetzt verstärkt im Körper, dann befindet sich der Organismus in einem Zustand einer unterschwelligen chronischen Entzündung. Eine solche chronische Entzündung jedoch ist nachweislich an der Entstehung von Arteriosklerose beteiligt.
Eine Arteriosklerose wiederum führt nun zu Bluthochdruck (falls ein solcher nicht schon vorher gegenwärtig war) und letztendlich sehr häufig zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen.
Eine weitere Stoffgruppe, die vom Bauchfett vermehrt produziert wird, sind die sogenannten Plasminogen-Aktivator-Inhibitoren (PAI). Hierbei handelt es sich um spezifische Proteine, die an der Blutgerinnung beteiligt sind. Sie wirken als Hemmstoffe der Fibrinolyse.
Mit Fibrinolyse (von lat. lyse, „auflösen“) bezeichnet man die körpereigene Auflösung von Blutgerinnseln. Die Fibrinolyse sorgt also dafür, dass unser Blut immer schön flüssig bleibt, sich keine Blutgerinnsel bilden können und uns daher auch keine Thrombosen oder Embolien überraschen können.
Wenn jetzt aber das Bauchfett verstärkt PAI ins Blut schickt, dann kann der Körper nicht mehr ordnungsgemäss der Fibrinolyse nachkommen. Es kommt zu einem verlangsamten Abbau von Blutgerinnseln, die dann zu grösseren Thromben heranwachsen können.
Diese Thromben können nun lokal Gefässe verstopfen und eine Thrombose verursachen. Schlimmer noch wird es, wenn sich ein Thrombus von der Gefässwand löst und zum Embolus (einem frei im Blutstrom schwimmenden Blutgerinnsel) wird. Dann kann dieses Blutgerinnsel eine Embolie bzw. einen Infarkt verursachen.
Auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit wirkt sich ein dicker Bauch also denkbar ungünstig aus. Doch auch die Atemwege und sogar unsere geistige Fitness werden vom Bauchfett in Mitleidenschaft gezogen.
Bei jeder Einatmung zieht sich unser Zwerchfell zusammen, schiebt die Bauchorgane nach unten und weitet den Brustkorb. In den Lungen entsteht ein Vakuum und Atemluft strömt hinein.
Zuviel Bauchfett kann nun den Atemvorgang behindern. Die Atmung wird automatisch flacher. So leiden Übergewichtige häufig an Kurzatmigkeit. Sie machen kurze und schnelle Atemzüge, ihre Lungen füllen sich nur unvollständig. Durch die vom Bauchfett freigesetzten Botenstoffe können zudem entzündliche Prozesse in den Lungen entstehen. Dadurch wiederum können Atemnot und asthamtische Beschwerden ausgelöst warden.
Die wirklichen Ursachen der Alzheimer-Erkrankung sind bis heute nicht vollständig geklärt. Lange ging man davon aus, dass die Veranlagung zu dieser Erkrankung vererbt sei. Tatsächlich weiss man mittlerweile, dass genetische Faktoren nur bei 5-10 % der Betroffenen eine Rolle spielen.
Als Risikofaktoren konnte man hingegen – neben einer Belastung mit Aluminium – eine Vielzahl an bestimmten Vorerkrankungen ausmachen. Dazu gehören interessanterweise jene Krankheiten, die wir gerade eben in aller Ausführlichkeit mit dem Bauchfett in Zusammenhang gebracht haben, nämlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhte Cholesterinwerte sowie Insulinresistenz bzw. Diabetes.
In neueren Studien wird das Bauchfett jedoch nicht nur als Risikofaktor für die genannten Gesundheitsbeschwerden genannt, sondern wird direkt in Verbindung mit einem steigenden Alzheimerrisiko gesehen.
In einer Studie mit 700 Erwachsenen beispielsweise konnten amerikanische Wissenschaftler deutliche Zusammenhänge zwischen vermehrtem Bauchfett, einem geringeren Hirnvolumen und einem erhöhten Demenzrisiko feststellen.
Verschiedene Studien lassen ferner darauf schliessen, dass Bauchfett auch die Krebsgefahr erhöht. Wissenschaftler vermuten, dass sich dies unter anderem wiederum auf die nun schon mehrfach genannten chronisch-entzündlichen Prozesse zurückführen lässt, die vom Bauchfett bzw. dessen entzündungsfördernden Botenstoffen ausgelöst werden.
Auch die vom Bauchfett ausgeschütteten Hormone spielen hier eine Rolle. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere für gastrointenstinale Krebsarten, wie Darmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Leberkrewbs.
Praktischerweise ist die basenüberschüssige Ernährung (80 % basische Lebensmittel) gleichzeitig eine entzündungshemmende Ernährung, so dass Sie mit dieser Ernährung nicht nur langsam, aber dauerhaft Ihr Bauchfett abbauen können, sondern ausserdem die entzündungsfördernden Eigenschaften Ihres Bauchfetts – so lange es noch da ist – wenigstens teilweise kompensieren können.
Quellen:
"Beer belly linked to Alzheimer's disease." BBC News, 20.05.2010
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