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BEI DEPRESSIONEN UND ANGSTZUSTÄNDE: DIE SCHILDDRÜSE KANN SCHULD SEIN

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Uniklinik Bonn entdeckten nun gemeinsam mit Dr. Teja Wolfgang Grömer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Bamberg einen deutlichen Zusammenhang beiden Problematiken.

 

Bei Depressionen und Angstzuständen ist oft die Schilddrüse krank.

 

„Seit vielen Jahren werde ich von Hunderten von Patienten aufgesucht, die an Depressionen und Angstzuständen leiden“, erklärt Dr. Grömer.

 

„Ende 2015 dann entdeckte ich einen deutlichen Zusammenhang zw. der autoimmunen Thyreoditis und Depressionen bzw. Angstzuständen. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Personen, die an Depressionen und Angstzuständen gleichermaßen litten. Ich stellte fest, dass mehr als die Hälfte aller Patienten mit Depressionen und Angstzuständen auch erhöhte Antikörperwerte aufwies, ein Hinweis für eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Ich entschied, die Angelegenheit intensiver zu erforschen“.

 

40 % aller Depressiven hat eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung

 

In der entsprechenden Metastudie werteten die Forscher 21 unabhängige Studien aus, die insgesamt an über 36.174 Teilnehmern durchgeführt wurden. 35.168 davon litten an Depressionen, 34.094 an Angstzuständen.

 

Es zeigte sich nun, dass Patienten mit einer autoimmunen Thyreoiditis (AIT)3,5-mal häufiger an einer Depression litten und 2,3-mal häufiger an Angstzuständen als Patienten, die keine Schilddrüsenentzündung hatten. Das bedeutet, dass 40 % aller Depressiven und 30 % aller Patienten mit Angstzuständen gleichzeitig AIT-Patienten waren.

 

Erkennt ein Arzt diesen Zusammenhang, kann er ganz anders therapieren.

Im Vordergrund steht dann die Schilddrüsenerkrankung und nicht mehr unbedingt die Depression oder die Ängste. Denn sobald die Thyreoiditis unter Kontrolle ist, gehen natürlich auch die psychischen Beschwerden zurück.

 

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Im Verlauf der Erkrankung kommt es immer wieder zu Unterfunktions- aber auch zu Überfunktionssymptomen. Dazu gehören auch innere Unruhe, Anspannung und Erschöpfung. Meist erkranken Frauen zw. dem 30. Und 50. Lebensjahr. Männer sind deutlich seltener betroffen.

 

Da die Erkrankung oft mit dem Beginn der Wechseljahre zusammentrifft und keinerlei Schmerzen verursacht, werden die Symptome gerne als typische Probleme des Klimakteriums gedeutet. Die für eine autoimmune Schilddrüsenentzündung typischen Blutwerte werden überdies bei Routineuntersuchungen nicht überprüft. Infolgedessen werden viele Patienten einfach nur mit Antidepressiva oder angstlösenden Medikamenten ruhiggestellt, während ihre Schilddrüsenerkrankung unerkannt bleibt.

 

Quellen:

 

Eya-Maria Siegmann, Helge H. O. Müller, Caroline Luecke, Alexandra Philopsen, Johannes Kornhuber, Teja Wolfgang Grömer, Association of Depressiion and Anxiety Disorders With Autoimmune Thyroiditis. MAMA Psychiatry, 2018

 

Univdrsity of Erlangen-Nürnberg, New hope for Patients with depression and anxiety:  Strong link between depression and anciety disorders with chronic thyroid disease, ScienceDaily. 15 Mai 2018

 

 

 
 
 

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