MEDIKAMENTE DIE UNSERE DARMFLORA RUINIEREN
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Antibiotika können der Darmflora schaden und so das Risiko für zahlreiche Erkrankungen erhöhen, etwa Autoimmunerkrankungen oder Allergien
Es gibt jedoch noch viele andere Arzneimittel mehr, die der Darmflora zusetzen, sie verändern oder ihr sogar konkret schaden können.
Studien weisen ausserdem darauf hin, dass das Risiko für Nierensteine steigt, wenn man Antibiotika einnimmt. Genauso steigt das Darmkrebsrisiko,das Risiko für Asthma, für Kinderrheuma und auch für Hautkrebs.
Zusätzlich schwächen Antibiotika den Körper so, dass er anfälliger wird für Grippeviren. Weitere Nebenwirkungen von Antibiotika haben wir in unserem entsprechenden Artikel aufgeführt, den Sie im vorigen Link finden.
Alle diese Krankheitsrisiken sollen deshalb steigen, weil Antibiotika die Darmflora negativ beeinflussen und dies einem Startschuss für die Entwicklung krankhafter Prozesse gleicht. Allerdings sind es nicht nur Antibiotika, die der Darmflora schaden. Viele andere Arzneimittel können die Darmflora ebenfalls beeinträchtigen
Mit geschätzten 100 Billionen Bakterien tummeln sich im menschlichen Darm auf 200 Quadratmetern Oberfläche so viele Lebensformen auf engstem Raum wie an fast keinem anderen Ort der Erde.
Viele der über 1000 Bakterienarten gehören zu vier dominierenden Bakterienklassen:
Den Firmicutes (Clostridium und Lactobacillus Spezies), den Bacteroidetes (meist Bacteroides und Prevotella Spezies), den Proteobakterien und
Den Actinobakterien (Bifidobakterien).
Würde man nur die Anzahl der jeweiligen Zellen zugrunde legen, bestünde der menschliche Körper lediglich zu 10 % aus Mensch und zu 90 % aus Mikroben. Indessen ist die moderne Wissenschaft gerade erst dabei die enorme Bedeutung der Darmflora - die inzwischen meist als Darmmikrobiom bezeichnet wird – zu verstehen.
Bekannt ist, dass viele Zivilisationskrankheiten mit einer Darmflorastörung (Dysbiose) einhergehen oder auf eine solche zurückzuführen sind. Dazu zählen Übergewicht, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Mangelernährung, Reizdarmsyndrom, neurologische Störungen und Diabetes.
Dies mag damit zusammenhängen, dass sich rund 70 – 80 % aller antikörperproduzierenden Zellen in unserer Darmschleimhaut befinden. Dieses sog. darmassoziierte Immunsystem bildet mit den dortigen Bakterien ein komplexes System, das uns vor zahlreichen Krankheitserregern schützt. Eine Störung dieses Systems wirkt sich somit äusserst negativ auf die Gesamtgesundheit aus und kann sich in den unterschiedlichsten Beschwerden äussern.
Viele Ursachen können die Darmflora schädigen. Dabei nimmt entweder die Gesamtzahl der Darmbakterien ab oder aber die Diversität (Zahl der Bakterienstämme). Eine im Journal Nature publizierte Arbeit von Forschern des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) aus Heidelberg, Deutschland bestätigt, dass neben Lebensstil, Ernährung, sportlicher Tätigkeit bzw. Bewegungsmangel und bestimmten Krankheiten auch Arzneimittelimstande sind, die Darmflora stark zu verändern.
Meier und Kollegen untersuchten 1.197 am Markt befindliche Arzneistoffe, um herauszufinden, ob diese einen Einfluss auf die Darmflora haben. Dafür wurden 40 repräsentative Keime aus dem menschlichen Darm ausgewählt, die daraufhin einer bestimmten Menge des Arzneistoffes ausgesetzt wurden.
Das Ergebnis der Studie.
24 %, also 203, der 1197 Arzneistoffe hatten einen wachstumshemmenden Effekt auf mindestens einen dieser Bakterienstämme.
40 Arzneistoffe übten sogar auf mehr als zehn Bakterienspezies eine hemmende Wirkung aus.
„Die Anzahl der Medikamente (verschiedene Arzneimittelgruppen wie Herzmedikamente und Schmerzmittel), die Darmmikroben als Kollateralschaden treffen, war überraschend. Zumal wir zeigen konnten, dass die tatsächliche Anzahl wahrscheinlich noch höher sein wird“, kommentiert Studienautor Peer Bork, Professor am EMBL und Leiter der Abteilung für Strukturbiologie und Computational Biology (Bioinformatik).
Wenig überraschend befinden sich PPI (Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol) ganz oben auf der Liste der Arzneistoffe, die der Darmflora schaden können.
Die bekannten Säureblocker erhöhen den pH-Wert im Magen, wodurch sich das Dünndarmmilieu verändert und Bakterien nun obere Darmabschnitte besiedeln können. Eine solche bakterielle Besiedelung des Dünndarms kann nachweislich Blähungen und Bauchschmerzen bis hin zu Durchfall verursachen.
Der hohe pH-Wert durch PPI bewirkt ausserdem, dass sich einige Bakterienarten wohler fühlen (Enterococcus sp.) als andere (Lactobacillus sp.).
Dies könnte mit ein Grund für das gehäufte Auftreten von Clostridium difficile und Salmonellen-Infektionen bei langfristiger PPI-Einnahme sein.
Gleichzeitig führte die Einnahme von PPI zu einer Abnahme der Bakterienvielfalt um 20 %.
Zusätzlich waren bestimmte Bakterien, die normalerweise nur im Mund vorkommen (Rothia sp.), nun plötzlich im Dünndarm überrepräsentiert.
Sehr gut vermehren konnten sich ebenso E. coli Bakterien, die mit Durchfall und anderen gastrointestinalen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden.
Ibuprofen, Naproxen, Ketoprofen, Celecoxib und viele mehr, die Liste der NSAID ist genauso lang wie die Liste der Krankheitsbilder, bei welchen diese Arzneistoffe zum Einsatz kommen. Weiter scheinen NSAID einen Einfluss auf das Darmmikrobiom auszuüben, indem sie einige Bakterienarten im Wachstum beeinträchtigen.
Es gibt schon länger Hinweise, dass dieser Einfluss auf unsere Darmflora für das Auftreten von Nebenwirkungen unter NSAID-Therapie mitverantwortlich ist. Die generell besser magenverträglichen Wirkstoffe Ibuprofen und Celecoxib (Celebrex®) zum Beispiel interagieren kaum mit den Darmbakterien, wohingegen die schlechter Magen-Darm-verträglichen Wirkstoffe Naproxen und Ketoprofen das Darmbakterienspektrum deutlich hin zu Bacteroides und Erysipelotrichaceae verschieben.
Die Wirkstoffklasse der Antipsychotika verändert auf vielfältige Art und Weise die Diversität der menschlichen Darmflora.
Zu den AAP gehören neben Olanzapin unter anderem Clozapin, Quetiapin, Aripiprazol und Ziprasidon.
Viele Medikamente gegen Krebs sind Antimetaboliten was bedeutet, dass sie mit dem Genmaterial im Zellkern interagieren und auf diese Weise zum Absterben der Tumorzellen führe.
Dieser nichtselektive Mechanismus betrifft aber nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen und genauso eine Reihe von natürlichen Darmbakterien.
Der Antimetabolit Methotrexat etwa hemmt ein Enzym (Dihydrofolat-Reduktase), das ebenso in Darmbakterien vorkommt und für deren Wachstum essentiell ist. Eine häufige Nebenwirkung von Methotrexat ist Durchfall, was womöglich auf diese Enzymhemmung zurückzuführen ist.
Zahlreiche weitere Antimetaboliten (Pemetrexed, 5-Fluoruracil, Gemcitabin) sind ebenfalls in der Lage die Darmflora negativ zu beeinflussen.
Medikamente, welche die Ausschüttung von Histamin bei allergischen Reaktionen blockieren, werden Antihistaminika genannt. In der Heidelberger Studie wurden Loratadin (Claritine®), Clemizol und Astemizol (beide nicht mehr im Handel) mit einer bakterienhemmenden Wirkung in Verbindung gebracht.
Es gilt als möglich, dass dieser die Darmflora schädigende Effekt zur momentanen Antibiotikaresistenzproblematik beitragen könnte, da in der Studie multiresistente Bakterien von den Arzneimitteln weniger oft im Wachstum gehemmt wurden als Bakterien, die auf Antibiotika noch empfindlich reagieren.
Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass weitere In-vivo-Studien (klinische Studien am lebendigen Organismus) notwendig sind, um die gefundenen Ergebnisse zu bestätigen. Möglicherweise bieten die dann gewonnenen Erkenntnisse die Chance künftig Arzneistoffe selektiver zu entwickeln und dabei unsere Darmflora mehr zu berücksichtigen.
Wenn Sie Medikamente nehmen mussten, die Ihrer Darmflora schaden, können Sie viel dafür tun, dass sich Ihre Darmflora wieder gut regenerieren kann.
Ich kann Ihnen gerne helfen, die Darmflora gezielt zu sanieren.
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