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PARKINSON UND DIABETES DURCH STATINE (CHOLESTERINSENKER)

  • 4. März
  • 5 Min. Lesezeit

Statine sind ein gutes Geschäft – trotz Nebenwirkungen. Die Cholesterinsenker können Muskelschwäche verursachen sowie zu Leberproblemen, Nierenversagen und grauem Star beitragen. Selbst das Risiko für Diabetes und u. U. Parkinson können Statine erhöhen.

 

Statine werden bei einem zu hohen Cholesterinspiegel verordnet. Andernfalls drohen Herzkrankheiten und Schlaganfälle, heißt es. Statine senken den Cholesterinspiegel meist sehr zuverlässig, in manchen Fällen aber nicht ohne Nebenwirkungen.

 

Wer Statine regelmäßig und über Jahre hinweg einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Muskelschwäche, Leberprobleme, Nierenversagen und den grauen Star.

 

Ob der Cholesterinspiegel in jedem Falle gesenkt werden muss, ist wieder ein anderes Thema. Zu hoch jedoch sollte er nicht steigen. Doch kann ein zu hoher Cholesterinspiegel auch über die Änderung der Lebens- und Ernährungsweise gesenkt werden – ganz ohne Nebenwirkungen.

 

(Manchen typischen Statin-Nebenwirkungen kann man vorbeugen - und zwar mit einer Einnahme von Coenzym Q10 als Nahrungsergänzung. Denn Statine senken den Coenzym-Q10-Spiegel, was das Risiko für Muskelschmerzen erhöht.

 

n einer finnischen Studie der University of Eastern Finland und des Kuopio University Hospital, die im Fachmagazin Diabetologia veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass die Statine Simvastatin und Atorvastatin auch das Diabetesrisiko beträchtlich erhöhen können

und zwar umso mehr, je höher die eingenommene Dosis ist.

 

Professor Markku Laakso und Kollegen untersuchten in ihrer Studie die Daten von 8.749 Männern, die keinen Diabetes hatten. Sie waren zwischen 45 und 73 Jahre alt und nahmen Statine ein. Nun wollte man sehen, wie die Statine den Blutzuckerspiegel, die Insulinsensitivität der Zellen sowie die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse beeinflussten.

 

Im Laufe von sechs Jahren bekamen 625 der Männer eine Diabetesdiagnose. Andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Diabetes in der Familie, Alter und Betablocker- sowie Diuretikaeinnahme wurden in dieser Studie bereits berücksichtigt.

 

Das Ergebnis der Studie war sodann, dass die Statineinnahme das Diabetesrisiko um 46 Prozent erhöhte. Die Werte des oralen Glucosetoleranztests sowie des Nüchternblutzuckers stiegen während der Statintherapie signifikant. Die Insulinsensitivität der Zellen hingegen nahm um 24 Prozent ab (die Insulinresistenz nahm also zu), und die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse ging um 12 Prozent zurück. Statine verursachen also auf der ganzen Linie jene Probleme im Körper, die früher oder später zu einem Diabetes führen können.

 

Auch in einem Artikel von 2014 heißt es, dass besonders bei Patienten, bei denen bereits andere Risikofaktoren für Diabetes vorliegen,

dass Diabetesrisiko durch eine Statineinnahme steigen kann.

 

Am 05.03.19 erschien eine weitere Studie, die einen Zusammenhang zw. Statineinnahme und Diabetes steigen konnte.

 

Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln stieg in dieser Untersuchung durch die Einnahme von Statinen um 38 Prozent. Besonders negativ wirkten sich Statine diesbezüglich bei übergewichtigen Personen aus sowie bei Personen, die bereits Probleme mit dem Blutzuckerspiegel hatten. Diesen Risikogruppen wird daher unbedingt empfohlen, ihr Gewicht zu normalisieren und während der Statineinnahme engmaschig ihre Blutzuckerwerte kontrollieren zu lassen.

 

Obwohl die möglichen negativen Nebenwirkungen der Statine bekannt sind, sucht man ständig nach möglichen positiven Zusatzwirkungen der Cholesterinsenker. So heißt es beispielsweise immer wieder,

dass Statine auch die Krebssterblichkeit senken könnten - als wäre es erstrebenswert, die Sterblichkeit an Krebs mit einem Medikament hinauszuzögern, das einem dann in der gewonnen Lebenszeit Diabetes, Muskelschwäche oder Leber- und Nierenprobleme bescheren könnte.

 

In der Fachzeitschrift Movement Disorders wurde 2015 eine Arbeit veröffentlicht, in der amerikanische Forscher mitteilten, 

dass Statine das Parkinsonrisiko keinesfalls senken könnten! (Wie zuvor angedeutet worden war).

Xuemei Huang, Professor für Neurologie am Penn State College of Medicine berichtet, dass es eine Verbindung zwischen hohen Cholesterinwerten und einem geringeren Parkinsonrisiko gäbe.

 

Auch sei es gemäß Beobachtungen an Parkinsonkliniken so, dass die Patienten trotz ihres im Allgemeinen hoch angesiedelten Alters seltener Opfer von Herzinfarkten und Schlaganfällen würden. Es wäre hier also offenbar selbst aus schulmedizinischer Sicht gar nicht in jedem Fall notwendig, den Cholesterinspiegel zu senken. Und wenn ein erhöhter Cholesterinspiegel sogar das Parkinsonrisiko reduziert, wäre es doppelt ungünstig, Parkinsonpatienten Statine zu verabreichen.

 

Huang sagte:

 

Wir konnten feststellen, dass ein hoher Gesamtcholesterinspiegel und sogar ein hoher LDL-Cholesterinspiegel mit einem niedrigeren Parkinsonrisiko in Verbindung steht. Überdies konnten Statine im Laufe unserer Studie NICHT vor Parkinson schützen, ja sie schienen das Parkinsonrisiko langfristig eher zu erhöhen.

 

Warum es in der Vergangenheit auch Forscher gab, die glaubten, Statine können vor Parkinson schützen, erklärt Professor Huang folgendermaßen: Bevorzugt Menschen mit hohem Cholesterinspiegel nehmen bekanntlich Statine. Wenn jedoch Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel gleichzeitig auch seltener Opfer der Parkinson-Krankheit werden, dann kann dies zu einer falschen Schlussfolgerung führen. Es ist hier der Cholesterinspiegel, der vor Parkinson schützt und nicht die Statine.

 

Vielleicht sind auch beide Eigenschaften kombiniert in den Erbanlagen verankert: Die Neigung zu einem hohen Cholesterinspiegel und die fehlende Neigung zur Parkinson-Krankheit.

 

Professor Huang rät: "Bevor wir nicht wirklich die Zusammenhänge zwischen Parkinson, dem Cholesterinspiegel und Statinen verstanden haben, sollten Ärzte sehr vorsichtig damit sein, Statine mit weiteren gesundheitlichen Vorteilen zu bewerben und entsprechend zu verordnen

 

Quellen:

 

Ahmadizar F, Stricker BH et al., Associations of statin use with glycaemic traits and incident type 2 diabetes, British Journal of Clinical Pharmacology, 5. März 2019

 

Laakso M et al., Increased risk of diabetes with statin treatment is associated with impaired insulin sensitivity and insulin secretion: a 6 year follow-up study of the METSIM cohort, Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-015-3528-5, published online 10 March 2015

 

Xuemei Huang et al., Statins, plasma cholesterol, and risk of Parkinson`s disease: A prospective study, Movement Disorders, 2015; DOI: 10.1002/mds.26152

 

Cardwell CR et al., Statin use and survival from lung cancer: a population-based cohort study, See comment in PubMed Commons below Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention, Mai 2015 May;24(5):833-41. doi: 10.1158/1055-9965.EPI-15-005

 

Mei Z, Liang M, Li L, Zhang Y, Wang Q, Yang W. Effects of statins on cancer mortality and progression: A systematic review and meta-analysis of 95 cohorts including 1,111,407 individuals. Int J Cancer. 2017 Mar 1;140(5):1068-1081

Park ZH, Juska A, Dyakov D, Patel RV. Statin-associated incident diabetes: a literature review. Consult Pharm. 2014;29(5):317-34

 

Poly TN, Islam MM, Walther BA, Yang HC, Nguyen PA, Huang CW, Shabbir SA, Li YJ. Exploring the Association between Statin Use and the Risk of Parkinson's Disease: A Meta-Analysis of Observational Studies. Neuroepidemiology. 2017;49(3-4):142-151

 

Yan J, Qiao L, Tian J, Liu A, Wu J, Huang J, Shen M, Lai X. Effect of statins on Parkinson's disease: A systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2019 Mar;98(12):e14852

 

Wu CC, Islam MM, Lee AJ, Su CH, Weng YC, Yeh CY, Lee HH, Lin MC. Association between Statin Use and Risk of Parkinson's Disease: Evidence from 18 Observational Studies Comprising 3.7 Million Individuals. J Pers Med. 2022 May 19;12(5):825

 

 
 
 

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