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DARM-HIRN ACHSE UND ERKRANKUNGEN

  • vor 2 Stunden
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Das Gehirn und der Darm sind über Nervenbahnen des autonomen Nervensystems verbunden.

 

Das autonome Nervensystem ist der Teil des Nervensystems, der sich weitestgehend der bewussten Kontrolle entzieht. Es reguliert den Herzschlag, die Atmung, die Verdauung und den Stoffwechsel.

 

Nicht nur der Darm ist also über das autonome Nervensystem mit dem Gehirn verbunden, sondern auch viele andere Teile des Körpers.

 

Das autonome Nervensystem besteht aus zwei Gegenspielern: dem sympathischen und dem parasympathischen Nervensystem.

 

Beide Nervensysteme interagieren mit dem enterischen Nervensystem. Das enterische Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, das den Verdauungstrakt durchzieht. Es wird einerseits durch das sympathische und parasympathische Nervensystem gesteuert, arbeitet aber auch autonom.

 

Das sympathische Nervensystem, auch Sympathikus genannt, ist bei Aktivität und erhöhter Leistungsbereitschaft aktiv. Da in einer solchen Situation die Verdauung keine Priorität hat, sorgt der Sympathikus dafür, dass die Darmperistaltik und Produktion von Verdauungssäften gehemmt warden.

 

Der Sympathikus überträgt aber auch Informationen in die umgekehrte Richtung, vom Darm ans Gehirn, wie z. B. Informationen über den Füllungszustands des Darms und Dehnung der Darmwand. Auch Schmerzen, wie z. B. Bauchschmerzen werden über das sympathische Nervensystem übermittelt.

 

Der Parasympathikus ist in Ruhephasen aktiv und fördert die Regeneration. Er hat den gegenteiligen Effekt auf die Verdauung: Er regt sie an.

 

Der Hauptnerv des parasympathischen Nervensystems ist der Vagusnerv. Auch er leitet nicht nur Informationen vom Gehirn an den Darm weiter, sondern auch Signale vom Darm ans Gehirn, die den Appetit und Emotionen regulieren.

 

Es gibt verschiedene hormonelle Botenstoffe, die an der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beteiligt sind:

 

Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHN-Achse) ist eigentlich ein Kommunikationssystem zwischen dem Gehirn und der Nebennierenrinde. Sie sorgt dafür, dass die Nebennierenrinde bei Stress Cortisol ausschüttet. Cortisol wiederum wirkt auf verschiedene Zielorgane, auch auf den Darm.

 

Cortisol erhöht die Durchlässigkeit des Darms und wirkt auch auf die Darmbakterien und die Immunantwort im Darm. Chronischer Stress kann daher einen Leaky Gut und eine Darmdysbiose begünstigen und Entzündungen fördern.

 

Der Darm wirkt umgekehrt aber auch auf die HHN-Achse: Bei einem Leaky Gut können beispielsweise Entzündungsstoffe und bakterielle Bestandteile die HHN-Achse stimulieren und so die Cortisolproduktion erhöhen.

 

Bei chronischem Stress kommt es also leicht zu einem Teufelskreis: Stress schadet dem Darm und ein geschädigter Darm verursacht noch mehr Stress.

 

Ein gesunder Darm hingegen kann die HHN-Achse beruhigen. Kurzkettige Fettsäuren, die bei der Fermentation von Ballaststoffen entstehen, können helfen, die HHN-Achse zu normalisieren und Stress entgegenzuwirken.

 

Der Darm sendet mithilfe von Hormonen wichtige Signale ans Gehirn. Sättigungshormone wie Ghrelin, Leptin und GLP-1 übermitteln Informationen über den Energie- und Nährstoffstatus, was die Nahrungsaufnahme beeinflusst.

 

Darmbakterien können auch das Bindungshormon Oxytocin produzieren, das das Sozialverhalten und Emotionen steuert.

 

Darmbakterien produzieren Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA. Neurotransmitter sind Signalmoleküle, die von einer Nervenzelle auf eine andere Zelle übertragen werden.


Diese Signalmoleküle aus dem Darm können über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv Signale ans Gehirn senden und so z. B. die Stressantwort und Emotionen steuern.

 

Außerdem können die Neurotransmitter aus dem Darm auf Immunzellen und die HHN-Achse wirken und so das Gehirn beeinflussen.

 

Umgekehrt wirken Neurotransmitter, die im Gehirn gebildet werden, auch auf den Darm. Sie können beispielsweise Darmbewegungen, Blutfluss und Immunreaktionen beeinflussen.

 

Der Darm und das Gehirn sind auch über das Immunsystem verbunden. Sowohl Immunzellen im Darm als auch im Gehirn sind an der Kommunikation beteiligt.

 

Zytokine sind Botenstoffe, die von Immunzellen produziert werden. Zu den bekanntesten Zytokinen gehören Interleukine, Interferone und TNF-α. Sie werden insbesondere bei Entzündungen und dem Leaky Gut Syndrom produziert und gelangen über das Blut oder Nervenbahnen ins Gehirn. Sie können Entzündungsprozesse im Gehirn fördern und die Aktivität von Nervenzellen beeinflussen.

 

Manche Zytokine können auch die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger machen. Dadurch gelangen Immunzellen und viele schädliche Substanzen leichter ins Gehirn.


Bei vielen neurologischen Erkrankungen ist die Blut-Hirn-Schranke nicht intakt und der Darm scheint dabei eine maßgebliche Rolle zu spielen.

 

Mikrogliazellen sind die Immunzellen des zentralen Nervensystems. Zahlreiche Stoffwechselprodukte, die von Darmbakterien produziert werden, wirken auf die Mikrogliazellen.

 

Kurzkettige Fettsäuren haben eine entzündungshemmende Wirkung und können übermäßig aktive Mikrogliazellen hemmen.

 

Auch die verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin haben eine hemmende Wirkung auf Gliazellen. In zu großen Mengen können sie aber auch den gegenteiligen Effekt haben.

 

Darmbakterien produzieren noch weitere Stoffwechselprodukte, die bei der Darm-Hirn-Achse eine wichtige Rolle spielen. Auf diese gehen wir nun weiter ein.

 

Es gibt viele Stoffwechselprodukte, die in der Darm-Hirn-Achse involviert sind. Dazu gehören z. B. Gallensäuren und bestimmte Aminosäuren. Hervorzuheben sind vor allem kurzkettige Fettsäuren.

 

Die bereits erwähnten kurzkettigen Fettsäuren hemmen nicht nur Mikrogliazellen, sondern haben generell eine entzündungshemmende Wirkung. Außerdem können sie die Blut-Hirn-Schranke stärken.

 

Beim Blick auf die Kommunikationswege zwischen Darm und Gehirn wird schnell klar, dass diese sich gegenseitig stark beeinflussen und dadurch verstärken können. Ist eine Komponente der Darm-Hirn-Achse gestört, zieht dies Probleme an anderen Stellen nach sich, die die ursprüngliche Störung verstärken können.

 

Beispielsweise hat die Darmflora einen großen Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden. Von den Darmbakterien produzierte Neurotransmitter sind für unsere psychische Gesundheit wichtig. Und vermehrte Entzündungen durch eine Darmdysbiose und Leaky Gut können Entzündungen im Gehirn verursachen, die mit psychischen Problemen in Verbindung stehen.

 

Psychische Probleme und Stress wirken aber auch auf den Darm und können z. B. über die HPA-Achse eine Darmdysbiose verschlimmern. Diese verstärkt dann die psychischen Probleme noch mehr. Durch diese Rückkopplungsmechanismen entsteht ein Teufelskreis, der meist nicht leicht zu durchbrechen ist und dazu führt, dass die Beschwerden mit der Zeit immer schlimmer warden.

 

Aus diesem Grund spielt die Darm-Hirn-Achse bei vielen Erkrankungen eine wichtige Rolle.

 

Die Darm-Hirn-Achse ist nicht nur bei Darmerkrankungen, sondern auch bei psychischen und neurologischen Erkrankungen gestört.

 

Reizdarmsyndrom

 

Das Reizdarmsyndrom ist eine Darmerkrankung, die sich durch häufige Bauchschmerzen, -krämpfe, Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsprobleme äußert. Manche Betroffenen leiden eher unter Durchfall, andere unter Verstopfung.

 

Die Erkrankung betrifft aber nicht nur den Darm. Oft geht das Reizdarmsyndrom mit kognitiven Problemen, Depressionen und Angstzuständen einher. Denn beim Reizdarmsyndrom sind mehrere Komponenten der Darm-Hirn-achse gestört.

 

Ein zentrales Problem beim Reizdarmsyndrom ist eine gestörte Darmflora. Diese führt zu Entzündungen im Darm, die einerseits die Darmbarriere schwächen und Leaky Gut begünstigen, andererseits auch für das die erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms verantwortlich sind, was als Bauchschmerzen oder Unwohlsein wahrgenommen wird.

 

Der Leaky Gut fördert außerdem chronische Entzündungen außerhalb des Darms, die über das Blut und Nervenbahnen auch Entzündungen im Gehirn verursachen können. Dies ist ein Grund, warum das Reizdarmsyndrom stark mit kognitiven und psychischen Problemen assoziiert ist.

 

Wenn sich Nerven entzünden, die die Darmmotilität steuern, kann dies wiederum auch typische Symptome wie Durchfall und Verstopfung verursachen oder verstärken.

 

Durch die Veränderungen in der Darmflora ist auch die Produktion von Neurotransmittern im Darm gestört. Neurotransmitter, wie z. B. Serotonin wirken einerseits im Darm. Serotonin reguliert die Darmmotilität, die Sekretion von Verdauungssäften und die Schmerzempfindlichkeit im Darm. Andererseits wirken Neurotransmitter aus dem Darm auch über das Blut und den Vagusnerv auf das Gehirn und können die Stimmung und das Stressempfinden beeinflussen.

 

Aber auch hier gibt es wieder eine Bidirektionalität: Neurotransmitter aus dem Gehirn steuern Vorgänge im Darm und ein Ungleichgewicht kann zu Reizdarmsymptomen führen.

 

Auf ähnliche Art und Weise kann auch Stress über die HHN-Achse das Reizdarmsyndrom verstärken. Denn das Stresshormon Cortisol beeinflusst die Darmflora.

 

Neurodegenerative Erkrankungen

 

Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Chorea Huntington ist die Darm-Hirn-Achse meist beeinträchtigt

 

Parekinson

 

Parkinson geht nicht nur mit motorischen Störungen, sondern auch mit Verdauungsbeschwerden und Darmdysbiose einher. Interessanterweise treten die Veränderungen im Darm meist einige Jahre vor den motorischen Problemen auf, was bereits darauf hinweist, dass die Darm-Hirn-Achse bei der Erkrankung involviert ist.

 

Die neurodegenerative Erkrankung ist durch α-Synuclein-Aggregationen gekennzeichnet, die die Nervenzellen schädigen. Hier scheint die Darmflora eine wichtige Rolle zu spielen. Denn die durch die Darmdysbiose verursachten Entzündungen können die Aggregation von α-Synuclein im Gehirn begünstigen.

 

Umgekehrt können auch die Schädigungen an den Nervenzellen bei Parkinson zu den Verdauungsstörungen beitragen. Beispielsweise sind dopaminproduzierende Nervenzellen (dopaminerge Neuronen), die bei Parkinson absterben, an der Verdauungsregulation beteiligt.

 

Alzuheimer

 

Auch bei Alzheimer ist die Darm-Hirn-Achse gestört. Alzheimer-Patienten sind häufig von Leaky Gut betroffen und weisen eine veränderte Darmflora auf. Ähnlich wie bei Parkinson scheinen durch den Darm verursachte Entzündungen Amyloid-Beta-Ablagerungen im Gehirn zu begünstigen.

 

Auch bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Migräne, Autismus und Fibromyalgie ist die Darmflora meist verändert und die Darm-Hirn-Achse gestört:

 

Migräne

 

Die durch die Darmdysbiose entstehenden Entzündungen können beispielsweise Migräne verstärken

 

ADHS

 

Bei ADHS scheint die veränderte Darmflora zumindest teilweise für den gestörten Dopaminstoffwechsel verantwortlich zu sein, der mit der Erkrankung einhergeht

 

Fibromyalgie

 

Bei Fibromyalgie vermutet man, dass das erhöhte Schmerzempfinden durch Mikrogliazellen vermittelt wird, die durch entzündungsfördernde Botenstoffe in einen entzündlichen Zustand versetzt werden

 

Autismus

 

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) werden ebenfalls zunehmend mit einer gestörten Darm-Hirn-Achse in Verbindung gebracht.

 

Zahlreiche Studien zeigen, dass viele autistische Kinder unter Darmproblemen wie Verstopfung, Durchfall oder Blähungen leiden. Zudem weisen sie oft eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora, erhöhte Entzündungswerte und Hinweise auf ein Leaky Gut Syndrom auf.

 

Auch bei Autismus spielt die Neurotransmitter-Balance eine Rolle – etwa im Serotonin- und Dopaminstoffwechsel – ebenso wie eine veränderte Immunantwort im Darm, die über Zytokine auf das Gehirn wirken kann.

 

Erste Therapieansätze zielen darauf, über Ernährung, Probiotika und entzündungshemmende Maßnahmen das Gleichgewicht der Darm-Hirn-Achse zu verbessern.

 

Und genau das beobachte ich in meiner Praxis.

Halten sich die Eltern und Kinder an meinen Empfehlungen – sind schnelle Erfolge sichtbar.

 

Psychische Störungen

 

Bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen spielt die Darm-Hirn-Achse ebenfalls eine wichtige Rolle. Betroffene Personen weisen häufig eine geringe Diversität der Darmbakterien auf. Die dadurch veränderte Neurotransmitterproduktion und entstehenden Entzündungen können die Psyche beeinflussen.

 

Die Darm-Hirn-Achse ist ein komplexes, bidirektionales System, bei dem das Mikrobiom, das Immunsystem sowie neuronale und hormonelle Signalwege interagieren. Sie wird durch Ernährung, Stress und andere Lebensgewohnheiten stark beeinflusst.

 

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