URSACHEN UND LÖSUNGEN BEI GASTRITIS – DIE MAGENSCHLEIMHAUTENTZÜNDUNG
- 23. Nov. 2021
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Jan. 2022

Die Gastritis ist eine entzündliche Veränderung der Magenschleimhaut, die von allgemeinen Magenbeschwerden bis hin zu starken Schmerzen im Oberbauch führen kann.
Die häufigsten Symptome einer Magenschleimhautentzündung sind:
Magendruck
Brennende Magenschmerzen
Sodbrennen
Übdelkeit
Appetitlosigkeit
Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Form der Gastritis. Der Unterschied ist insbesondere die Dauer.
Eine akute Gastritis entsteht ganz plötzlich aufgrund eines schädlichen Stoffes, der die Magenschleimhaut zu sehr reizt.
Der schädliche Stoff kann einer der folgenden sein: Alkohol, Medikamente (Medikamente gegen Krebs oder auch die bekannte Acetylsalicylsäure (ASS) und Chemikalien (wenn z. B. versehentlich Putz- oder Reinigungsmittel verschluckt werden).
Die übliche Therapie einer akuten Gastritis besteht in erster Linie darin, den auslösenden Reiz zu meiden, 1 bis 2 Tage zu fasten und sich anschliessend ganz langsam an leicht verdauliche feste Nahrung zu gewöhnen.
Häufig wird für eine Gastritis das Bakterium Helicobacter pylori verantwortlich gemacht und so wird bei Magenbeschwerden zuallererst nach diesem Übeltäter Ausschau gehalten.
Wenn man das Bakterium schliesslich findet, so ist dies im Grunde jedoch kein Wunder, da das Bakterium mindestens bei der Hälfte ALLER Menschen vorhanden ist und man es so automatisch auch bei jenen findet, die gerade eine Gastritis durchmachen.
In den Entwicklungsländern seien gar rund 90 Prozent der Bevölkerung mit Helicobacter pylori infiziert, gab die Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bekannt.
Und dennoch leiden diese 90 Prozent nicht allesamt an akuter oder chronischer Gastritis.
Im Gegenteil:
So vermutet man inzwischen, dass eine moderate Anwesenheit des Helicobacters pylori einen gewissen Schutzeffekt vor chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) haben könnte – wie ein Team griechischer Gastroenterologen de First Gastroenterology Clinic in Athen in einer wissenschaftlichen Arbeit darlegte, die im Juni 2014 im Word Jurnal of Gastroenterology veröffentlicht wurde.
Natürlich kann sich das Bakterium je nach Zustand des einzelnen Menschen auch einmal übermässig vermehren und dann tatsächlich zu gastritischen Problemen führen.
Ob es aber die alleinige Ursache einer akuten bzw. auch chronischen Gastritis sein kann, bleibt fraglich.
Eine chronische Gastritis kann sich aus einer akuten Gastritis entwickeln oder aber auch schleichend, also ohne ein vorhergehendes akutes Stadium auftreten.
Sie kann sich deutlich bemerkbar machen (mit denselben Symptomen wie die akute Form) oder auch völlig ohne Symptome verlaufen.
Je nach Ursache unterscheidet man drei Formen der chronischen Gastritis
Typ A wird als Autoimmungeschehen bezeichnet, das heißt, dass der Organismus bildet Antikörper gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut und zerstört sie.
Typ B soll 80 % aller Gastritis-Erkrankungen ausmachen. Es ist jene Form, die man dem Helicobacter pylori zuschreibt.
Typ C entwickelt sich aufgrund von regelmässig eintreffenden Reizen, die der Magen nicht mag und die ihn irritieren.
Dazu gehören Medikamente (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel, die bei rheumatischen Schmerzen verordnet werden, wie z. B. Ibuprofen, ASS oder Diclofenac), aber auch manche Antibiotika), Alkohol, zu viel Kaffee, Schimmelpilzgifte, eine Vorliebe für zu kalte oder zu heisse Getränke oder auch für zu scharfe Speisen.
Selbst eine schleichende Vergiftung, zum Beispiel durch Amalgam in Zahnfüllungen, ist im Gespräch, eine chronische Gastritis verursachen zu können. Hier hilft dann nur die vollständige Entfernung und anschliessende Ausleitung des Quecksilbers, um die Gesundheit wieder herzustellen
Die Gastritis kann gefürchtete Komplikationen mit sich bringen, nämlich schwere Schleimhautschäden, die sich in einem Magengeschwür (Ulkus), in Magenblutungen oder in einem Magendurchbruch äussern können.
Wenn es zu inneren Blutungen aus der Magenschleimhaut kommt, dann kann sich dieser Zustand im Erbrechen von Blut, im so genannten Teerstuhl (Stuhl mit Blutbeimischung) und in einer Blutarmut (aufgrund der Blutverluste durch die inneren Blutungen) zeigen.
Bei einer Gastritis sollte man daher immer sorgfältig alle zur Verfügung stehenden ganzheitlichen Massnahmen umsetzen, um die Magenschleimhautentzündung so schnell wie möglich auszuheilen.
Bei einer Gastritis erhält man sodann häufig ein Medikament (Säureblocker bzw. Protonenpumpenhemmer), das die Magensäureproduktion hemmen, den pH-Wert im Magen heben und somit den Magen vor der bei Gastritis übermässig produzierten Magensäure schützen soll.
Meist bessern sich die Beschwerden durch die Einnahme – leider oft nur kurzfristig. Denn durch die medikamentöse Anhebung des pH-Wertes kommt es längerfristig zum Effekt, dass der Magen noch mehr Säure bildet, sobald die Medikamente wieder abgesetzt werden.
Also nimmt man die Säureblocker über einen längeren Zeitraum hinweg. Das jedoch kann wieder ganz andere Auswirkungen nach sich ziehen.
Die Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern habe ich bereits ausführlich beschrieben.
Geht der Arzt von einer Helicobacter-Infektion aus, dann werden zusätzlich verschiedene Antibiotika verordnet.
Diese schädigen nun wiederum nachhaltig die Darmflora, was langfristig das Immunsystem schwächen und die Verdauung stören kann.
Auch gegen die bei Gastritis oft auftretende Übelkeit werden Medikamente gegeben. Lange Jahre waren dies z. B. auch die sog. MCP-Tropfen mit dem Wirkstoff Metoclopramid.
Millionenfach wurden MCP-Tropfen Jahr für Jahr verordnet und eingenommen, allerdings nicht nur bei ernsten Problemen wie der Gastritis, sondern auch schon bei Völlegefühlen nach üppigen Mahlzeiten – bis im April 2014 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Verkaufsstopp für MCP-Tropfen erlassen und deren bisherige Zulassung widerrufen wurde.
Die möglichen Nebenwirkungen der Tropfen – so hiess es – könnten u. U. schlimmer sein als der erhoffte Nutzen.
Insbesondere neurologische Probleme nach der Einnahme der Tropfen seien nicht zu unterschätzen.
So könnten unkontrollierbare Bewegungen wie Zuckungen und Grimassen auftauchen oder gar Krämpfe der Streckmuskulatur des Rückens, was sich in einer starken Rückwärtsneigung des Kopfes äussere.
Der medikamentöse Weg ist also nicht immer der sicherste und auch nicht automatisch der gesündeste.
Sollte deshalb nicht in jedem Fall zunächst die eigentliche Ursache der Gastritis gefunden und ausgeschaltet werden?
DIE URSACHEN UND LÖSUNGEN
Falls Medikamente als Verursacher der Gastritis in Frage kommen, gilt es, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen und verträglichere Alternativen zu finden.
Falls das Bakterium Helicobacter pylori bei Ihnen gefunden wird, dann finden Sie hier bereits einige ganzheitliche Massnahmen, um dieses wieder in seine Schranken zu verweisen:
Natürliche Massnahmen gegen Helicobacter pylori.
Besonders interessant sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse um die Wirkung von Brokkolisprossen gegen das Helicobacter pylori.
So wurde bereits im Jahr 2009 eine Studie im Fachjournal Cancer Prevention Research veröffentlicht und darin beschrieben, wie japanische Testpersonen allein mit Brokkolisprossen ihre Helicobacter-Infektion lindern konnten.
Eine andere Ursache für eine Magenschleimhautentzündung kann auch ein sog.
Gallenrückfluss sein. In diesem Fall fliesst immer wieder Gallenflüssigkeit, die eigentlich im Zwölffingerdarm bleiben sollte, in die falsche Richtung, nämlich nach oben in den Magen – was oft nach Magenoperationen vorkommen kann.
Auch starkes Übergewicht oder zu üppige Mahlzeiten können zu einem Gallenreflux führen.
Sämtliche Massnahmen, die der Magengesundheit nützen, wirken auch dem Gallenreflux entgegen.
Meiden Sie in jedem Fall sehr fette Speisen.
Manche Lebensmittel können auch den Gallenreflux verstärken. Dazu gehören koffeinhaltige Getränke, Alkohol, Schokolade, Zwiebeln und stark gewürzte Speisen.
Sorgen Sie bei Übergewicht dafür, dass Sie über kurz oder lang in die Nähe Ihres Normalgewichts gelangen.
Meiden Sie Stress bzw. üben Sie sich in effektiven Methoden zum Stressabbau.
Nicht selten wird gerade der letzte Punkt – die Wirkung von Stress, Aufregung, Konflikten und Sorgen auf das Magen-Darm-System – völlig unterschätzt. Denn lang anhaltender Stress kann dem Magen häufig so sehr zusetzen, dass allein dadurch eine Gastritis entstehen kann.
In diesem Fall liegen der Gastritis meist seelische Konflikte zugrunde. Mit gezielten Fragen kann hier jede/r Betroffene selbst dahinter kommen, ob es tief im eigenen Innern Themen gibt, die er/sie sich genauer ansehen sollte.
Zum Beispiel: Was liegt mir schwer im Magen?
Was frissst mich von Innen auf?
Probleme, für die sich einfach keine Lösung zu finden scheint oder auch Tatsachen, die man partout nicht akzeptieren kann, liegen gerne schwer im Magen.
Auch gibt es Gedanken, die einen förmlich "auffressen", und unterdrückter Ärger kann den Magen zum "Überlaufen", sprich zum Übersäuern bringen..
Wer jedoch Wut in sich hinein frisst, sorgt dafür, dass sich die Aggression gegen den eigenen Körper – und hier zunächst gegen den Magen wendet.
Konflikte dieser Art führen daher nicht selten zu einer Gastritis – und zwar zu einer Gastritis, für die kein Arzt eine Erklärung findet – es sei denn, er würde sich nach dem seelischen Befinden des Patienten erkundigen.
Gastritis durch kranke Darmflora.
Was hat der Magen mit der Darmflora zu tun?
Zuallerst befindet sich bekanntlich ein grosser Teil unseres Immunsystems im Darm.
Wird das Darmmilieu und damit an erster Stelle die Darmflora durch Alkohol, Rauchen und Behandlungen mit Antibiotika immer wieder irritiert, dann wird auch das Immunsystem immer schwächer und schwächer.
Entzündungsprozesse entstehen leichter und (chronische) Erkrankungen können die Folge sein. Hochinteressant ist jedoch, dass man inzwischen konkrete Zusammenhänge zwischen dem Zustand der Darmflora und einer Gastritis feststellen konnte. So weiss man beispielsweise, dass viele der nützlichen Darmbakterienstämme zur Reduzierung des Helicobacters pylori beitragen können.
Nun ist es jedoch so, dass man bei einer Gastritis infolge einer Helicobacter-Infektion meist Antibiotika verschrieben bekommt – und zwar mindestens zwei verschiedene Antibiotika in Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer.
Antiobiotika aber führen zu zahlreichen Nebenwirkungen (Durchfall, Übelkeit, Blähungen, Geschmacksirritationen) und zerstören überdies die Darmflora erst Recht. In Studien hat sich bereits gezeigt, dass z. B. Milchsäurebakterium Lactobacillus acidophilus die Eradikationsrate der Helicobacter-Therapie noch steigern kann.
Andere nützliche Darmbakterien haben vielleicht keinen Einfluss auf die Eradikationsrate, können aber
die o. g. Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie lindern, was wiederum dazu beiträgt, dass Betroffene die Therapie eher durchhalten und daher Resistenzentwicklungen beim Erreger verhindert werden können. Zu diesen probiotischen Bakterienstämmen gehört beispielsweise Lactobacillus rhamnosus sowie Lactobacillus reuteri.
Bei einer Gastritis baut man natürlich nicht nur die Darmflora auf und übt sich auch nicht nur beim Lachyoga in Gelassenheit.
Auch die Ernährung ist ausserordentlich wichtig. Dabei geht es nicht ausschliesslich um das "WAS esse ich?", sondern insbesondere auch um das "WIE esse ich“.
Okra enthält Schleimstoffe, die sich heilend auf den Magen auswirken. In Studien zeigte sich bereits, dass Okra magenschützende Wirkung hat und Magengeschwüre reduzieren kann (in Tests bei Tieren). Daher bieten sich
Okraschoten sehr gut für die Heilkost bei Gastritis oder auch bei Magengeschwüren an.
Okra ist ein Gemüse, das am besten in den Tropen gedeiht und ursprünglich aus Äthiopien stammt.
Folgende Kräuter und Gewürze gelten als besonders magenstärkend und helfen auch bei Magenübersäuerun
Frische Bärlauchblätter
Hopfen als Tee
Ingwer als Tee
Frische Korianderblätter
Kümmel
Leinsamen als Tee
Wacholderbeeren
Auch hat sich das folgendes Kräuterteerezept bei einer Gastritis bewährt.
Kamille 20g
Pfefferminze 20g
Melisse 20g
Kalmus 10g
Fenchel 5g
Isländisch Moos 5 g
Treten die Schmerzen bei Gastritis in erster Linie bei nüchternem Magen auf, sollen laut Hildegard von Bingen – der bekannten Klosterfrau aus dem Mittelalter – Fenchelsamenpulver oder Fencheltabletten vor dem Essen und dem Schlafen gehen eingenommen helfen können. Angeblich sei die Wirkung genauso sicher wie die von Säureblockern.
Quellen:
Logan PRH et al., "Epidemiology and diagnosis of Helicobacter pylori infection, BMJ, Oktober 2001, (Epidemiologie und Diagnose der Helicobacter pylori Infektion)
Yanaka A et al., "Dietary Sulforaphane-Rich Broccoli Sprouts Reduce Colonization and Attenuate Gastritis in helicobacter pylori infected Mice and Humans, Cancer Prevention Research, April 2009
Patel A et al.,"Clinical appliance of probiotics in the treatment of Helicobacter pylori infection-A brief review, Journal of Microbiology, Immunology and Infection, Juni 2013
Papamichael K et al., " (Helicobacter pylori infection and inflammatory bowel disease: Is there a link?" World Journal of Gastroenterology, Juni 2014
Hildegard Heilkunde von A-Z, Wighard Strehlow, Weltbild-Verla



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