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WIE KANN ICH MIT ERNÄHRUNG GEGEN AUTISMUS VORGEHEN?

  • 25. Juli 2025
  • 4 Min. Lesezeit

An der Entstehung von Autismus sind viele verschiedene Faktoren beteiligt, unter anderem die Ernährung.

Eine ganz bestimmte Ernährung soll laut wissenschaftlicher Ergebnisse einen bestehenden Autismus positiv beeinflussen können.

Und doch, auch ich kann es aus meiner Praxis heraus bestätigen. Halten sich meine autistischen Patienten an 90 % meiner Ernährungsempfehlungen, bessert sich deren Autismus deutlich.

 

Viele autistische Kinder (und Erwachsene (mehr als 85 % laut Studien) leiden an Verdauungsbeschwerden, wie Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Reflux, so dass es naheliegend ist, schon allein deshalb auf die Ernährung zu achten. Doch welche Ernährung soll man bei Autismus wählen? Es gibt tatsächlich eine Grobe Richtlinie, doch von Person zu Person fällt es doch unterschiedlich aus (aus verschiedenen Gründen).

 

Immer wieder liest man, dass Autisten häufiger an Zöliakie leiden als andere Menschen. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es nach Glutenverzehr zu Entzündungen der Darmschleimhaut kommt. Im Verlauf der Krankheit bildet sich die Darmschleimhaut immer weiter zurück, die Nährstoffaufnahme wird erschwert und es kommt nicht nur zu Verdauungsbeschwerden mit Erbrechen, Bauchweh und Durchfall, sondern auch zu Nährstoffmängeln und Gewichtsabnahme.

 

Könnten die häufigen Verdauungsbeschwerden von Autisten somit auf eine Zöliakie hinweisen? Womöglich auf eine unerkannte Zöliakie?

In vielen Fällen ist das tatsächlich so.

 

Könnte es nun aber sein, dass eine glutenfreie Ernährung, die bei Zöliakie angesagt ist, nicht nur die bei Autismus häufig vorkommenden Verdauungsbeschwerden in Luft auflöst, sondern vielleicht auch die autistischen Symptome bessert? Einfach deshalb, weil die Darmprobleme der Zöliakie den Autismus überhaupt erst verursachen oder wenigstens deutlich verstärken? In vielen Fällen ist das der Fakt.

 

Nun berichten immer wieder Eltern, die Symptome ihrer Autistischen Kinder besserten sich bei glutenfreier Ernährung.

Möglicherweise liegt es daran, dass die Kinder keine Zöliakie haben, aber eine andere Form der Glutenunverträglichkeit (auch Glutensensitivität genannt), bei der sich sodann natürlich auch nicht die typischen Zöliakiemarker finden lassen, obwohl Gluten eindeutig nicht vertragen wird.

 

New Yorker Forscher des medizinischen Instituts der Columbia University  sowie des Celiac Disease Centers wollten herausfinden, inwiefern Kinder mit Autismus-Diagnose auf den Konsum von Weizengluten reagieren. Die Studienergebnisse wurden im Juni 203 in der Online-Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht.

 

Studienteilnehmer waren Kinder die gemäß den offiziellen Kriterien eine Autismus-Diagnose erhalten hatten, außerdem deren Geschwister, die keinen Autismus-Symptome zeigten sowie eine Kontrollgruppe aus gesunden Kindern.

 

Man nahm Blutserumproben aller 4 Gruppen und untersuchte sie auf Antikörper gegen Gliadin (einen GlutenbestandteilI und gegen Transglutaminase 2 (TG2). Die TG2 sind körpereigene Enzyme mit unterschiedlichen Aufgaben im Organismus. Bei Zöliakie bildet der Körper Antikörper gegen die TG2, so dass die Zahl dieser Antikörper ein wichtiger Marker zur Diagnosestellung der Zöliakie darstellt. Antikörper gegen Gliadin hingegen sind kein typischer Zöliakiemarker.

 

Das Serum der autistischen Kinder zeigte im Vergleich zum Serum gesunder Kinder signifikant höhere Werte der IgG-Antikörper gegen Gliadin, wobei autistische Kinder mit Magen-Darm-Beschwerden mit Abstand die höchsten Werte aufwiesen.

 

Die zöliakiespezifischen serologischen Marker wie z. B. Antikörper gegen TG2 waren in allen 4 Gruppen ähnlich, zeigten also keine Auffälligkeiten. Ein Teil der autistischen Kinder reagierte demzufolge zwar auf Gluten, ohne jedoch an einer Zöliakie zu leiden. Der immunologische Mechanismus war ein anderer als jener bei Zöliakie. Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass es sich um eine zöliakieunabhängige Glutensensitivität mit Immunsystembeteiligung handelt.

 

Eine Glutensensitivität kann sich in ganz ähnlichen Beschwerden wie die Zöliakie äußern, doch können sich hier genauso solche Symptome zeigen, die man auf Anhieb gar nicht mit dem Verdauungssystem in Verbindung bringen würde. Dazu gehören Migräne und chronische Müdigkeit genauso wie Hyperaktivität, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und auch autistische Störungen.

 

Bei Anwesenheit von Gliadin-Antikörper könnte es zu sog. Kreuzreaktionen mit bestimmten Strukturen innerhalb des Nervensystems kommen. In diesem Falle würden die Antikörper nicht nur das Gliadin angreifen, sondern genauso körpereigene Strukturen des Nervensystems, wenn diese dem Gliadin ähneln. Entgegen aller Erwartungen könnte sich also auch eine Glutensensitivität mit einem Autoimmungeschehen äußern (nicht nur die Zöliakie).

 

Wenn nun jedoch körpereigene Bereiche des Nervensystems urch ein solches Autoimmungeschehen beeinträchtigt würden, könnte dies natürlich zu einem großen Spektrum an neurologischen Problemen führen, wie beispielsweise Neuropathiern (Erkrankungen des peripheren Nervensystems mit Symptomen wie z. B. Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen, Kribbeln u. a. ), Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination, z. B. Unfähigkeit zu stehen, zu sitzen etc.), Anfälle und neurologisch bedingte Verhaltensänderungen – darunter Manien, Schizophrenie und Autismus.

 

Viele der Symptome, die bei Menschen mit Autismus zu beobachten sind, könnten folglich das Resultat einer Immunreaktion auf die Belastung mit (Weizen-)Gluten sein – und zwar unabhängig davon, ob dabei zöliakiespezifische Blutmarker vorhanden sind oder nicht.

 

Genau das bestätigten forscher in eienr Veröffentlichung von 2018, in der sie davon ausgehen, dass es eine bestimmte Autismus-Untergruppe gibt, der mit einer Glutenunverträglichkeit in Verbindung steht. Den Betroffenen dieses Sub-Typus könnte somit auch mit einer glutenfreien Ernährung geholfen werden.

 

Und schon 2012 erschien eine Untersuchung mit dem Titel: „Gluten- and casein-free dietary intervention for autism spectrum conditions“, in der es hieß: Die Mehrheit der zu diesem Thema veröffentlichen Studien zeigen nach einer Umstellung auf eine gluten- und kaseinfreie Ernährung signifikante positive Veränderungen in der Symptomatik.

 

Quellen:

 

LU NM, GREEN PHR ET AL, Mrkers of Celiac Disease and Gluten Sensitivity in Childern with Autism, PloS One, Juni 2013

 

Herbert MR, Buckley JHA, Autism and dietary therapy.fCase repot´rt and review of the literature, Journal of Child Neurology, Autgust 2013

 

Atladöttir HO et al, assosiatioin of Family History of Autoimmune Diseasses and autism Spectrum Disorders

 

Ludvigsoon JF et al A Nationwide Study of the Association between Celiac Diseade and the Risk of Autistic Spectrum Disorders, JAMA Psychiatry 2013

 

Piwowarczyk A et al. Gluten- and Casein-free Diet and Autism Spectrum Disorders in Childern: A Systemsatic Review, European Journl of Nutrition. 2017 Jun 13

 

Gluten ist ein Proteinkomplex, der bevorzugt im Weizen zu finden ist, aber auch in anderen Getreidearten enthalten ist. Allerdings enthält jede Getreideart ein artspezifisches Gluten, so dass es Menschen gibt, die z. B. Dinkel gut vertragen, Weizen aber nicht.

 

Rahmoune E, Boutrid N. Autism & Gluten: The Proof By Regression. Pediatr Neurol Briefs. 2018; 32:9. Published 2018 Sep 14

 

Whiteley, Paul & Shattock, Paul & Knivsberg, Ann-Mari & Seim, nders & Reichelt, Karl & K

Toff, Lynda & Carr, Kevin & Hooper, Malcolm. 2012: Gluten and casein-free dietary intervention for autism spectrum conditions. Frontiers in human neuroscience. 6.344 10.3389/fnhum. 2012..00344

 

 

 

 

 
 
 

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